Ein Portal in die Welt der Menschen

A post from kanalseife

Hin und wieder versuche ich ja mitunter auch unter Menschen zu gelangen. Ein verwirrendes Gefühl zwischen "Warum?" und "Warum?!" stellt sich da natürlich sehr wiedererkennbar meinerseits ein.

Wie so oft, war es diesmal wieder ein Kinobesuch, zu dessen filmischen Inhalt ich nur soviel hinzufügen möchte als die alte Faustregel gilt, je mehr Purge im Purge zu sehen ist, umso besser ist der Purge, was jetzt irgendwie wenig Purge war, aber noch mehr Purge als im ersten Purge. Weshalb es der zweitbeste Purge als dritter Purge im bisher dreiteiligen Purge-Universum ist und sich sicherlich noch der eine oder andere Purge dazugesellen werden, aber das nur ein kleiner Ausblick auf die unerwartet vielzweckige Benutzung des Wortes "Purge" im Film. Also ausgepurget, ihr Purger.

Die eigentlich Hinwendung zum Thematischen Hauptteil dieses Beitrages erstreckt sich noch ein kleine Weile in die Zukunft, haben Sie Geduld, sie werden enttäuscht.

Denn die wichtigen Fragen gehören an den Anfang jedes Textes und die heutige Frage, welche sich mir stellte war: Warum tue ich es mir an unter Menschen zu gehen?

Das kleine Portal Namens Haustür erweckt bei mir immer wieder unendlich wackere Gefühle der zutiefst verstörenden Art. Zuerst vergesse ich den Hausmüll mit runter zu nehmen, denke mir dann zweitmaligen die Treppe runter stranzen eine Ausrede für etwaige neugierige Nachbarn aus, warum ich denn zwei mal die Treppe rauf und runter laufe. Was bisher zwar noch nie vorgekommen ist, weil ich normalerweise schon einmal Treppensteigen für unvertretbaren Aufwand zum erwartbaren Nutzen halte, jedoch eine gute Ausrede immer ein guter Alternativplan ist.

Nun, wir haben es vor die Tür geschafft. Noch ein Blick zum Briefkasten, ich habe zwar keine Zeitung abonniert und so einen "Keine Werbung, keine kostenlosen Zeitungen"-Aufkleber, welchen ich vom Vormieter kostenlos übernommen habe, am Briefkasten kleben, aber es kann ja niemand wirklich sicher sein, dass nicht doch jemand was reinsteckt.

Ist der Blick erwartungsgemäß enttäuschend zufriedenstellend, sitze ich auch schon im Auto, ein kleiner Fiat Panda, welcher wenig auffällt, aber genug Kopffreiheit bietet. Es folgt die erste schwerer Entscheidung: Radio oder MP3, Der Radioempfang ist unter aller Sau, weshalb ich im Auto auch meistens nur NDR Info und nicht den DLF höre, der hat das nicht verdient. (Und ich kriege ihn auch nur sehr selten rein, was doppelt Schade ist.)

Da sitze ich nun also im Auto und weiß, dass das erste Ziel des Abends die Sparkasse ist, zwecks der scheinbaren Unüberwindlichkeit des Kapitalismus, zumindest noch an diesen Abend. Bisher hat alles ganz gut geklappt, mir ist kein Wagen gefolgt und alle Kurven waren noch da, wo ich sie auch vermutet habe. Ich fahre.

Ich muss noch einen Brief abschicken, den habe ich tatsächlich dabei, da er schon einige Zeit im Auto liegt, heute jedoch kommt er endlich in den Briefkasten, er ist immerhin wichtig, amtlich, also amtlich wichtig. Aber es sind zu viele andere Autos unterwegs, was die wohl von mir denken, wenn ich bei der Poststellefiliale, also so ein Postding innerhalb eines anderen Ladens, abbiege? Besser vorbei fahren und so tun, als hättest du gar keinen Brief dabei und auf dem Rückweg eine Briefmarke aus dem Briefmarkenautomaten holen und so in den Briefkasten schmeißen.

Also weiter, auf zum Kino. Wieder an der eigenen Wohnstätte vorbei, hoffen das ein niemand sieht, weil es doch sehr verdächtig ist, erst in die eine, dann in die andere Richtung zu fahren. Geschafft. Kurze Strecke Autobahn, zum McDonalds. Sehr voll. Erstmal aufs Klo. Sehr kleine Kabine, man muss quasi seine Beine hinter die Schüssel stellen, um die Tür auf und zu zu machen. Sehr entspannend. Zurück. Immer noch voll, vielleicht wenn der Film vorbei ist noch einmal versuchen.

Zum Kino, aber eigentlich kommen wir doch da vorbei wo der Brief seine Ankunft wartet, vielleicht könnte man den Brief einfach so vorbeibringen? Nein, Autos hinter mir. Keine Unerwarteten Abbiegeversuche. Unauffällig weiter zum Kino, das ist einfach.

Kino. Ok, jetzt ruhig, ich habe eine Karte reserviert, ein alltäglicher Vorgang für den Kassenmenschen. Er fragt nach deinen vollen Namen, aber ich habe den Text nur mit dem Nachnamen eingeübt, ein quieckendes Ja nachschieben, als er in sein Kassensystem die Reservierung vorliest. Gut, gut... ich schaffe es ins Kino, jetzt warten. Im Foyer? Es ist immerhin noch Zeit, vielleicht doch lieber rein? Im Weg sitzen, wenn Menschen zu ihrem Platz wollen, oder Menschen nerven, wenn man zu seinem Platz will? Am besten halb/halb. Also beides.

Sitzreihe links und rechts besetzt, links eine Gruppe von jugendlichen Eventtouristen, rechts so einer mit Lederjacke und Freundin, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, welches von beidem er wohl pfleglicher behandelt. Ich halte jedenfalls Abstand, was als dicker Mensch in einem Kinositz nicht sehr einfach ist.

Film siehe oben.

Nur zwei mal husten und räuspern, was gut während lauter Szenen verborgen werden kann. Leichtes Schwitzen setzt ein.

Film Ende, umgekehrte Problemstellung von Oben. Ich entscheide mich wieder für die Mitte, lasse erst alle an mir vorbei gehen, um dann selbst die übrigen zu nerven. Foyer, Tür, Parkplatz ohne Kontakte, von der einen Gruppe etwas Abstand halten. Ins Auto.

Langsam ausparken, einige Leute vorbei lassen, aber vor das eine Auto setzen, etwas Nebelig, habe ich eigentlich Nebelscheinwerfer? Keine Ahnung. Den Knopf für die Nebelschlussleuchte sehe ich, aber für vorne, puh. Ok, keine Panik, du fährst ja eh langsam und willst auch erst mal zum McDonalds, bis dahin ist eh alles beleuchtet.

Oh warte, Ich wollte ja noch beim Amt vorbei... zu schade. Verpasst. Umdrehen scheidet natürlich vollkommen aus. Da ist ein Taxi hinter dir. Also ganz ruhig zum Essen. Da ist es nicht mehr so voll, aber ich muss trotzdem warten. Zeit um die Bestellung zu üben. Eigentlich hätte ich ja gerne einen McRip, aber denn schmeckt der McFlurry nicht so gut dazu. Also lieber eine Cola oder ein Schokomilchshake? Und diese komischen Pommes, oder die normalen? Ich bin dran, ich bin dran, ich muss jetzt was sagen. Eh. Eh. Ok. Warum habe ich jetzt etwas bestellt, was ich vorher gar nicht bedacht habe, das ich es wollte? Egal. Du bist normal. Du hast dich nicht geirrt, oder bist verwirrt, sondern hast genau das bestellt was du wolltest. Niemand kann dir das Gegenteil beweisen.

Ich esse meinen Big Tasty Bacon Deluxe Special, oder wie auch immer, in Scham. Jetzt schnell nach Hause. Ins Bett, oder wahrscheinlicher, vor den Computer. Ohne Menschen. Die sind normal und schaffen es wahrscheinlich Briefe abzuschicken, wenn sie es müssen.

bleak theme by Jack Preston

(K) all rites reversed - copy what you want